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Kann jeder singen lernen? Die ehrliche Antwort eines Vocal Coaches | Singers Evolution
Kann jeder singen lernen? Vocal Coach Danielle Zuber erklärt, warum die meisten Menschen Singen lernen können – und was wirklich hinter dem Gefühl steckt, „nicht singen zu können".

Danielle Zuber
Vocal Coach und Gründerin von Singers Evolution — mit über 1.200 Sänger:innen weltweit trainiert, darunter 11 „The Voice"-Finalisten.

Kann jeder singen lernen? Die ehrliche Antwort eines Vocal Coaches
„Ich würde so gerne singen können – aber ich glaube, ich habe einfach kein Talent dafür."
Diesen Satz höre ich seit vielen Jahren immer wieder.
Von Erwachsenen, die nur singen, wenn sie allein im Auto sind. Von Menschen, die als Kind ausgelacht wurden. Von Sängerinnen und Sängern, die überzeugt sind, ihre Stimme sei einfach nicht gut genug.
Und manchmal steckt hinter diesem Glauben nur ein einziger Satz, den jemand vor vielen Jahren gesagt hat:
„Du kannst nicht singen."
Die kurze Antwort auf die Frage „Kann jeder singen lernen?" lautet für mich: Wenn du sprechen kannst, kannst du auch singen.
Fast jeder Mensch kann seine Stimme trainieren und singen lernen.
Aber das bedeutet nicht, dass jeder Mensch dieselbe Stimme, denselben Stimmumfang oder dieselben Voraussetzungen hat.
Denn Singen kann man lernen – was du aus deiner Stimme machen kannst, hängt jedoch von deinen persönlichen Voraussetzungen und der richtigen Anleitung ab.
Warum so viele Menschen glauben, sie könnten nicht singen
Kaum jemand kommt als Erwachsener plötzlich auf die Idee, dass er nicht singen kann. Meistens gibt es eine Geschichte dahinter.
Vielleicht hast du in der Schule einen Ton nicht getroffen und jemand hat gelacht.
Vielleicht hat ein Lehrer gesagt, du seist unmusikalisch.
Vielleicht durftest du im Chor nur leise mitsingen.
Oder jemand aus deiner Familie hat dir erklärt, dass du „leider kein Gehör" hättest.
Solche Erfahrungen können sich tief einprägen.
Die Folge ist häufig nicht, dass jemand tatsächlich nicht singen kann.
Die Folge ist vielmehr, dass diese Person aufhört zu singen.
Und wenn du deine Stimme kaum benutzt und nie gelernt hast, wie du sie richtig trainierst, kann sie sich natürlich auch nicht entsprechend entwickeln.
Später klingt das dann wie ein Beweis: „Siehst du, ich kann wirklich nicht singen."
Dabei fehlt häufig schlicht das Training.
Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, warum der Glaube „Ich bin zu alt, um Singen zu lernen" ein Mythos ist, lies meinen Blogartikel „Singen lernen als Erwachsener: Warum es nie zu spät ist".
Singen können nicht nur Begabte
Natürlich gibt es Menschen, denen bestimmte Dinge leichter fallen.
Manche haben schon als Kind ein sehr gutes Gehör. Andere treffen Töne intuitiv. Wieder andere verfügen von Natur aus über eine besonders grosse oder klangvolle Stimme.
Aber daraus folgt nicht, dass alle anderen nicht singen lernen können.
Singen besteht aus vielen Fähigkeiten, die trainiert werden können.
Du musst lernen, einen Ton zu hören und ihn mit deiner Stimme wiederzugeben. Du brauchst eine gute Atemführung, eine gute Koordination der Stimmlippen, Resonanz, einen passenden Tonansatz und die Fähigkeit, Bruststimme und Kopfstimme miteinander zu verbinden.
Auch wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass sich die Fähigkeit, Töne sicher und genau zu treffen, durch stimmliches Training verbessern lässt. Regelmässiges Training hilft dabei, die Tonhöhe beim Singen besser zu kontrollieren und Töne genauer wiederzugeben.
Singen ist also nichts, was man entweder kann oder nicht kann. Es ist eine Fähigkeit, die man lernen und weiterentwickeln kann.
Aber kann wirklich jeder singen lernen?
Hier möchte ich bewusst nicht behaupten, dass ausnahmslos jeder Mensch gleich gut singen lernen kann.
Es gibt seltene neurologische Besonderheiten, die die Verarbeitung von Tonhöhen deutlich erschweren können. Dazu gehört beispielsweise die sogenannte kongenitale Amusie. Menschen mit dieser Störung haben Schwierigkeiten, feine Unterschiede in Tonhöhen wahrzunehmen und zu verarbeiten.
Das ist jedoch etwas anderes als ein Mensch, der noch nie Gesangsunterricht hatte und Schwierigkeiten hat, einen Ton zu treffen.
Schlecht oder unsicher zu singen bedeutet nicht automatisch, dass du „tontaub" bist.
Denn auch die Verbindung zwischen Hören und Singen muss trainiert werden. Studien mit sogenannten „poor singers" zeigen beispielsweise, dass die Fähigkeit, Tonhöhen wahrzunehmen, und die Fähigkeit, sie mit der Stimme korrekt wiederzugeben, nicht immer dasselbe sind.
Du kannst einen Ton also durchaus hören – und ihn trotzdem zunächst nicht richtig singen.
Das lässt sich trainieren.
Was du brauchst, um Singen zu lernen
Du brauchst keine perfekte Stimme, bevor du anfängst.
Du brauchst auch keinen riesigen Stimmumfang und musst keine Noten lesen können.
Was dir viel mehr hilft, ist ein systematischer Aufbau.
1. Du musst deine Stimme verstehen
Wenn dir niemand erklärt, warum ein Ton hauchig oder zu tief wird, warum deine Stimme beim Registerwechsel bricht oder warum hohe Töne plötzlich eng werden, kannst du nur ausprobieren.
Und genau das machen viele Menschen jahrelang. Sie singen eine schwierige Stelle immer wieder und hoffen, dass sie irgendwann funktioniert.
Viel hilfreicher ist es zu verstehen, was in deiner Stimme passiert und warum etwas nicht funktioniert. Dann kannst du an der Ursache arbeiten.
2. Du brauchst die passenden Stimmübungen
Eine Übung für die Kopfstimme verfolgt ein anderes Ziel als eine Übung für den Tonansatz, die Intonation oder die Atemstütze.
Deshalb bringt es wenig, wahllos Gesangsübungen aus dem Internet nachzumachen.
Wenn du beispielsweise immer zu tief singst, solltest du herausfinden, warum du zu tief singst und dann genau daran arbeiten. Mehr darüber erfährst du in meinen Blogs „Warum singe ich schief?" und „Warum singe ich zu tief?".
3. Du brauchst eine gute Atemtechnik
Auch die Atmung beeinflusst deine Stimme stark.
Dabei geht es nicht darum, möglichst viel Luft einzuatmen.
Du musst lernen, wie du einatmest, wie deine Atemstütze funktioniert und wie du deine Luft beim Singen einteilst. Mehr dazu findest du in meinem Blogartikel „Atemtechnik beim Singen: Die 3 wichtigsten Atemübungen für eine starke Stimme".
4. Du musst regelmässig üben
Deine Stimme verändert sich nicht dadurch, dass du eine Übung einmal verstanden hast.
Dein Körper muss neue Abläufe lernen.
Kurze, regelmässige Trainingseinheiten sind deshalb meist sinnvoller als stundenlanges Üben einmal pro Woche.
Dabei gilt aber auch: Nur Wiederholen reicht nicht. Wenn du eine Übung falsch ausführst, trainierst du nämlich genau den Fehler, den du eigentlich loswerden möchtest.
5. Du brauchst Geduld – aber du solltest Fortschritte hören
Singen lernen braucht Zeit.
Trotzdem solltest du nicht jahrelang üben und dich überhaupt nicht verbessern.
Wenn du mit der richtigen Anleitung und den passenden Übungen arbeitest, solltest du merken, dass bestimmte Dinge leichter werden.
Vielleicht triffst du einen Ton plötzlich sicherer. Vielleicht gelingt der Registerwechsel besser. Vielleicht kannst du eine Phrase durchsingen, bei der dir vorher die Luft ausgegangen ist.
Oder du hörst auf einer Aufnahme zum ersten Mal: „Meine Stimme klingt anders."
Was ich in über 26 Jahren als Vocal Coach gelernt habe
Ich habe in all den Jahren Menschen mit völlig unterschiedlichen Voraussetzungen unterrichtet.
Menschen, die schon sehr gut singen konnten. Menschen, die noch nie Gesangsunterricht hatten. Erwachsene, die jahrzehntelang davon überzeugt waren, dass sie keine gute Stimme hätten. Und auch Menschen, die keinen einzigen Ton sicher getroffen haben.
Besonders erinnere ich mich an zwei Schüler, die man früher wahrscheinlich als typische „Brummer" bezeichnet hätte.
Sie sangen laut und überzeugt – aber fast jeder Ton lag daneben.
Wir haben nicht einfach Songs wiederholt.
Wir haben ganz von vorne begonnen. Ton für Ton.
Wir haben daran gearbeitet, die Tonhöhe zuerst richtig zu hören und sie dann mit dem gesungenen Ton zu verbinden – wahrzunehmen, wo sich der Ton im Körper und im Raum anfühlt und wie er klingt.
Das brauchte Geduld.
Aber es hat funktioniert.
Und genau solche Erfahrungen haben mir immer wieder gezeigt: Man sollte sehr vorsichtig damit sein, einem Menschen zu sagen, er könne nicht singen.
Du bist nicht zu alt, um Singen zu lernen
Ein weiterer Satz, den ich oft höre: „Ich hätte früher anfangen müssen."
Nein.
Natürlich verändert sich die Stimme im Laufe des Lebens. Das bedeutet aber nicht, dass du als Erwachsener nicht mehr singen lernen oder deine Stimme verbessern kannst.
Auch wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Erwachsene ihre Stimme und die Fähigkeit, Töne sicher zu treffen, durch Training weiterentwickeln können.
Erwachsene haben beim Singenlernen sogar einen Vorteil:
Sie können verstehen, warum sie eine bestimmte Übung machen. Sie können bewusst wahrnehmen, was sich verändert. Und sie können technische Zusammenhänge nachvollziehen, die ein Kind häufig einfach nur nachahmt.
Wenn du später mit dem Singen beginnst, ist das also kein Grund, es gar nicht erst zu versuchen.
Mehr darüber erfährst du in meinem Blogartikel „Singen lernen als Erwachsener: Warum es nie zu spät ist".
Die entscheidende Frage ist nicht: Habe ich Talent?
Wenn du dich ständig fragst, ob du genügend Talent hast, stellst du dir meiner Meinung nach die falsche Frage.
Frag dich lieber: Möchte ich singen lernen? Bin ich bereit, meine Stimme wirklich kennenzulernen und zu trainieren?
Denn deine Stimme ist kein fertiges Produkt.
Sie verändert sich mit dem Training.
Deine Atemführung kann besser werden. Deine Intonation kann sicherer werden. Deine Resonanz kann sich verändern. Du kannst deine Kopfstimme entwickeln. Du kannst lernen, Bruststimme und Kopfstimme miteinander zu verbinden. Und du kannst lernen, hohe Töne anders zu singen, als du es bisher getan hast.
Du musst nicht bereits gut singen können, um mit dem Singen Lernen anzufangen. Du fängst an, damit du besser wirst.
Warum die richtige Anleitung so wichtig ist
Viele Anfängerinnen und Anfänger wissen überhaupt nicht, wo sie beginnen sollen.
Atmung? Töne treffen? Bruststimme? Kopfstimme? Stimmumfang? Songs?
Und dann findet man im Internet tausende Übungen, die alle etwas anderes versprechen.
Genau deshalb ist mein Online-Kurs „Singen lernen in 30 Tagen" Schritt für Schritt aufgebaut.
Du beginnst bei den Grundlagen und lernst, wie deine Stimme überhaupt funktioniert.
Ich erkläre dir, wie Atmung, Atemstütze, Tonansatz, Resonanz, Intonation, Bruststimme, Kopfstimme und Registerwechsel zusammenarbeiten.
Dazu bekommst du über 100 Vokalisen und Stimmübungen für die verschiedenen Bereiche deiner Stimme.
So musst du nicht raten, womit du anfangen sollst oder welche Übung du für welches Problem brauchst. So baust du deine Stimme Schritt für Schritt selber auf.
Der Kurs richtet sich deshalb auch ausdrücklich an Menschen, die gerade erst mit dem Singen beginnen.
Du musst nicht erst singen können, bevor du anfängst – genau dafür fängst du an.
Mehr über den Online-Kurs „Singen lernen in 30 Tagen" erfahren →
FAQ
Kann wirklich jeder Mensch singen lernen?
Die meisten Menschen können ihre Singstimme deutlich verbessern und Singen lernen. Dazu gehört zum Beispiel, Töne sicher zu treffen, die Atmung richtig einzusetzen, die Resonanz zu nutzen, Brust- und Kopfstimme zu entwickeln, den Übergang zwischen beiden zu meistern und die Stimme besser zu kontrollieren. Seltene neurologische Störungen wie die kongenitale Amusie können das Singen Lernen erschweren, aber nicht unmöglich machen.
Kann ich Singen lernen, wenn ich keine Töne treffe?
Ja. Wenn du Töne noch nicht sicher triffst, bedeutet das nicht automatisch, dass du kein musikalisches Gehör hast. Du kannst lernen, einen Ton zuerst richtig zu hören und ihn anschliessend mit deiner Stimme sicher zu treffen. Auch wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass sich diese Fähigkeit durch Training verbessern lässt.
Kann man auch mit 40, 50 oder 60 noch Singen lernen?
Ja. Es gibt keine feste Altersgrenze, ab der man nicht mehr Singen lernen kann. Auch Erwachsene können ihre Stimme, ihr Gehör und ihre Gesangstechnik weiterentwickeln. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass auch Erwachsene durch Training lernen können, Töne sicherer zu treffen und ihre Stimme kontinuierlich verbessern.
Brauche ich Talent, um Singen zu lernen?
Talent kann dazu führen, dass bestimmte Dinge am Anfang leichter fallen. Für das Erlernen einer Gesangstechnik sind jedoch Training, Koordination und eine gute Anleitung mit passenden Übungen wesentlich wichtiger als die Frage, ob du dich selbst für talentiert hältst.
Muss ich Noten lesen können, um Singen zu lernen?
Nein. Notenkenntnisse können hilfreich sein, sind aber keine Voraussetzung dafür, deine Stimme zu trainieren oder Singen zu lernen.
Wie lange dauert es, bis ich besser singen kann?
Das hängt davon ab, wo du mit deiner Stimme gerade stehst, wie du übst und welche Anleitung du bekommst. Manche Veränderungen kannst du schon nach kurzer Zeit hören oder spüren, während eine gut ausgebildete Stimme Zeit braucht. Durch regelmässiges und richtiges Training kannst du lernen, Töne sicherer zu treffen, deine Stimme besser zu kontrollieren und deine Gesangstechnik weiterzuentwickeln.
Was mache ich, wenn mir früher gesagt wurde, dass ich nicht singen kann?
Nimm diesen Satz nicht als endgültiges Urteil über deine Stimme. Vielleicht war deine Stimme damals einfach noch nicht trainiert oder du hattest Schwierigkeiten, Tonhöhen mit deiner Stimme umzusetzen. Das sagt wenig darüber aus, was du heute mit einer guten Anleitung lernen kannst.
Jetzt bist du dran
Vielleicht hast du dir selbst schon einmal gesagt: „Ich kann einfach nicht singen." Dann frage dich einmal, woher dieser Gedanke eigentlich kommt – und ob du deiner Stimme jemals wirklich die Chance gegeben hast, es zu lernen.
Auf meinem YouTube-Kanal findest du Videos zu Gesangstechnik, Atemtechnik, Stimme und konkreten Stimmproblemen. Dort kannst du viele der Themen aus meinen Blogartikeln direkt sehen, hören und ausprobieren. Schau gerne vorbei und abonniere ihn, damit du kein neues Video verpasst.
Danielle Zuber – Singers Evolution
Das erwartet dich im nächsten Blog Artikel
Im nächsten Blogartikel schauen wir uns eine weitere wichtige Frage an: Kann man Singen wirklich online lernen – oder braucht man dafür einen Gesangslehrer vor Ort?
Schreib mir, was dich beim Singen wirklich beschäftigt und ich schreibe den nächsten Artikel genau dafür. Du erhälsst eine Nachrichti, sobald er online ist.
